Autorenlesung in der Grundschule

An der Grundschule Mossautal ist das so genannte LESEFORUM, bei dem verschiedene Texte von unterschiedlichen Personen in der Schule vorgelesen werden, zu einer lieb gewonnenen Tradition geworden.
In diesem Sommer hatten wir zu unserem Leseforum die Kinderbuchautorin und Erzieherin Tanja Henn aus Schneeberg eingeladen.
Zu Beginn der Lesung für die 3. und 4. Klasse forderte Tanja Henn unsere Schüler und Schülerinnen auf, sich an ihren Lieblingsleseplatz zu träumen.
Dann las sie den Kindern einige Textpassagen aus ihrem Buch „Erpresser im Schlosshotel“ vor, und gab ihnen damit u.a. Einblicke in den Handlungsablauf und den Schreibstil. An geeigneten Stellen unterbrach sie immer wieder ihre Vorlesung, um durch gezielte Fragen ihr Publikum zum Mitdenken anzuregen.

Lord Winston wird erpresst. "Entweder du zahlst an uns 300.000 Pfund, oder dein neues Schlosshotel geht in Flammen auf!", droht der unbekannte Anrufer.
Niki und seine Freunde von der Falken-Bande, die auf Einladung der Winstons ihre Ferien in deren Schlosshotel in England verbringen, versuchen, ihren Gastgebern zu helfen. Da die Polizei nichts unternehmen kann, ermitteln sie auf eigene Faust. Ihr Verdacht fällt auf Erich Trenkel. Bereits am Flughafen hatte er versucht, eine wertvolle Uhr an sich zu bringen; gerade noch rechtzeitig konnten die Kinder eingreifen. Ausgerechnet Trenkel hält sich nun als Gast in Winstons Hotel auf. Ein Zufall? Die Falken glauben das nicht. Sie setzen alles daran, Trenkel zu überführen...

„Erpresser im Schlosshotel“ ist, wie wir erfuhren, nicht nur ein spannender Kriminalroman, es ist ebenso ein Buch, das den Kindern spielerisch verdeutlicht, was es heißt hilfsbreit oder tolerant zu sein oder auch, dass man vor dem Unrecht nicht wegschauen darf.
Die Schüler und Schülerinnen der Grundschule Mossautal konnten gar nicht genug von der Geschichte bekommen, doch um den Kindern Lust aufs Weiterlesen zu machen, ließ Frau Henn das Ende offen.
Aber keine Sorge, Frau Silke Lenz kümmert sich darum, dass beide Bücher in der Schülerbücherei entliehen werden können.
Im Anschluss gab es für die Kinder eine aufschlussreiche Schilderung über die Entstehung ihres Buches.
Ihr Kopf sei, wie sie sagt, immer voller Phantasie gewesen. Bereits im zarten Alter von zehn, elf Jahren griff die begeisterte "Leseratte" selbst zu Papier und Bleistift, um die Geschichten in den immer viel zu schnell ausgelesenen Büchern einfach weiter zuschreiben. Dabei tauchten schon damals die verschiedenen Charaktere der Kinder auf, die auch in ihrem jetzigen Buch auftreten.
Nachdem die Idee also schon lange da war, galt es sie aufs Papier zu bringen, damals noch mit Schreibmaschine. Daraus entstand ein Manuskript. Nun galt es dafür einen Verlag zu finden, was sich als sehr mühsam erwies.
Weiter ging es mit Berichten über die Lektorenarbeit, Auszügen aus den Korrekturfahnen, das Exposé, die Druckvorlagen, die fachspezifischen Korrekturzeichen der Lektoren, die Gestaltung des Umschlages und schließlich zur Findung eines werbewirksamen Buchtitels.
Dies alles veranschaulichte sie anhand von mitgebrachten Manuskripten und Bildern, so dass die Kinder einen lebendigen Eindruck bekamen.
Auch während dieser Einblicke stellten die begeisterten Schüler und Schülerinnen der Schriftstellerin viele Fragen und verabschiedeten sich von ihr mit einem Raketenapplaus.

Für die Klassen 1 und 2 hatte Tanja Henn eine Mitmachgeschichte mitgebracht. Sie handelte von Jan, einem sieben jährigen Jungen, der gerne träumt und sich Geschichten ausdenkt. Eines Abends sitzt er in seinem Lieblingssessel und stellt sich vor, er würde nachts im Regen über eine Wiese laufen.
Er läuft auf einen Lichtschein zu und trifft an einem Lagerfeuer den Zauberer Firlefanzus, den Indianerhäuptling und die Fee Owieschön.
Dem Zauberer, der zum Zauberwettbewerb will, wurde ein wichtiger Zauberspruch gestohlen. Ohne diesen kann er nicht an diesem Wettbewerb teilnehmen. Firlefanzus hatte zwar ein Bild von dem Übertäter gemacht, dieser hatte es aber zerrissen.
Jan setzt das Bild wieder zusammen und muss erkennen, dass der Dieb sein Freund der kleine Bär Robert ist. Jan verspricht den Zauberspruch zurückzuholen. Die drei vom Lagerfeuer warnen ihn noch vor dem schrecklichen Ungeheuer, das im Wald lauert.
Robert verspricht den Zauberspruch zurückzugeben, wenn Jan es schafft ein Rätsel zu lösen, natürlich schafft Jan das.
Robert selbst bringt den Zauberspruch zu Firlefanzus zurück. Es stellt sich heraus, dass er nur gestohlen hatte, um auf sich aufmerksam zu machen. Er war einsam und traurig, weil Jan ihn lange nicht besucht hatte und er niemanden zum Spielen hat.
Jan verspricht Robert öfter zu besuchen und auch Firlefanzus, der Indianerhäuptling und Owieschön werden seine Freunde.
Das schreckliche Ungeheuer im Wald stellt sich schließlich als die Bärenmutter heraus, die ihren Sohn beschützen wollte.
Und natürlich gewinnt Firlefanzus mit seinem Zauberspruch den Zauberwettbewerb. So endete die Geschichte von Jan.
Die Kinder der Grundschule wurden vielfach in die Geschichte eingebunden, halfen auch beim Zusammensetzen des Bildes und beim Lösen des Rätsels.
Sie erfuhren außerdem auch viel Wissenswertes über Bücher und ihre Herstellung. Frau Henn verstand es in einer ruhigen Art die Kinder zu packen und für ihre Geschichte zu begeistern.
Sie gab allen Kindern noch folgenden Zauberspruch mit auf den Weg, damit auch sie es schaffen in ihr Traumland zu kommen und Geschichten zu erträumen:
„Ich bin ganz ruhig und still,
weil ich ins Traumland will!
Ich mache eine Reise
Auf meine eigne Weise.
Mich kann auch nichts mehr erschrecken.
Ich werde alle necken.
Ich bin ganz ruhig und still,
weil ich ins Traumland will!“

Natürlich bedankten sich auch die Erst- und Zweitklässler mit einer dreifachen Rakete bei Frau Hennn.

Marlies Voigt und Silke Lenz

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